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Betrugsmaschen bei Google MyBusiness (Teil 2)

 Felix Kopinski –  22. Aug. 2019 11:25

Es geht noch schmutziger.

Marketing-Kollege Jeremy aus den USA, der uns das Gophermods-Beispiel aus Minneapolis präsentiert, geht sogar einen Schritt weiter und schlägt bei Google eine Änderung der hinterlegten Daten des Unternehmens vor. So soll aus "Gophermods Minneapolis iPhone & iPad Repair" nur noch "Gophermods" werden, damit andere iPhone-Reparatur-Anbieter wieder mehr Chancen  haben, bei Google gefunden zu werden.

Die Änderung von bei Google hinterlegten Daten durch Nutzer ist möglich und soll die Qualität der Google-Daten durch die ehrenamtliche Mitarbeit der Nutzer verbessern. Diese Funktion kann allerdings auch missbraucht werden und zeigt mitunter amüsante Stilblüten. Denn wenn genügend User einen Änderungsvorschlag für gut befinden, übernimmt Google diesen Vorschlag.

So wurde zum Beispiel 2016 aus der Justizvollzugsanstalt Moabit ein Escape-Room-Veranstalter, wo Touristen Rätsel lösen müssen, um aus einem fiktiven Gefängnis auszubrechen. In einem anderen Fall wurde aus dem Homöopathie-Unternehmen Hevert, welches als "Wirkstoffträger" Zuckerkügelchen, sogenannte Globuli, verwendet, ein "Süßwarengroßhändler". Einige Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter hatten sich einen Spaß daraus gemacht, die Google-Maps-Einträge der Hevert-Niederlassungen in Rheinland-Pfalz und Berlin zu manipulieren.

MyBusiness-Manipulation mit Folgen

Während die Umbenennung einer Justizvollzugsanstalt in eine Freizeiteinrichtung noch unter die Kategorie lustiger Streich fällt, können derartige Manipulationen wesentlich gravierendere Folgen für Geschäftsinhaber haben.  Im US-Bundesstaat Virginia kostete eine Restaurantbetreiberin  aber die ungewünschte Änderung von Öffnungszeiten fast ihre Existenz.

"Jemand habe Anfang 2012 den Eintrag zu seinem bis dahin beliebten Restaurant auf Google Maps verändert, sagte Bertagna dem Magazin Wired, und dort die Information hinterlegt, das Serbian Crown sei von Samstag bis Montag grundsätzlich geschlossen. An den Wochenenden sei daraufhin die Zahl seiner Gäste so stark zurückgegangen, dass Bertagna mehrere Angestellte entlassen musste. Erst als jemand anrief und fragte, warum sein Restaurant ausgerechnet an den Wochenenden geschlossen sei, bemerkte er den falschen Eintrag in Google Maps."

https://www.zeit.de/digital/internet/2014-07/google-maps-hacken-betrug-konkurrenz

 

Wie kriminell Mybusiness-Manipulationen wirklich werden können, demonstrierte bereits 2014 der Netzwerktechniker Bryan Seely, als er für Secret Service und FBI gefälschte MyBusiness-Einträge mitsamt gefälschten Telefonnummern anlegte und künftig Anrufe an das FBI weiterleiten bzw. mitschneiden konnte.

"Er hatte gefälschte Einträge für Niederlassungen des Secret Service und des FBI angelegt, inklusive einer falschen Telefonnummer, die zwar jeden Anruf an die echten Dienststellen weiterleitete – aber mit Seely als Zwischenstation, der die Gespräche mitschneiden konnte. "

https://www.zeit.de/digital/internet/2014-07/google-maps-hacken-betrug-konkurrenz

Wer sind die Opfer?

Größtenteils sind Auftragsunternehmen die Geschädigten, also Dienstleister, die traditionell kurzfristig vor Ort gesucht und benötigt werden. Zum Beispiel der bereits erwähnte Schlüsseldienst, Klempner, Glaser, Reinigungsdienste oder alle möglichen Formen von Reparatur-Diensten. Die Dienstleistungskategorie macht ca. 40% der Opfer von gefakten Unternehmensstandorten aus.

Etwa 10% der Opfer sollen, Google zufolge, sogar regelrecht erpresst werden. Hier haben Betrüger es geschafft, die MyBusiness-Einträge von real existierenden Unternehmen zu kapern und verlangen eine "Provision für vermittelte Kunden", die das Hotel oder Restaurant über den gekaperten MyBusiness kontaktieren. In den meisten Fällen setzt der Betrüger seinen Opfern den Floh ins Ohr, der Business-Eintrag könne eventuell gelöscht werden, wenn man nichts unternehme.

Wie schützt man sich?

Werden Sie Herr Ihrer Daten! Wenn nicht schon längst geschehen, reklamieren Sie bestehende Firmeneinträge zu Ihrem Unternehmen für sich. Dies ist problemlos möglich bei Google, direkt unter dem jeweiligen Eintrag, über die Schaltfläche "Inhaber dieses Unternehmens?". Anschließend muss noch der Google-Zertifizierungs-Prozess durchlaufen werden, damit Google, anhand einer an Ihre Adresse geschickten Postkarte mit Pin-Code, Ihre Inhaberschaft unter der korrekten Adresse
überprüfen kann.

Account übrenehmen
Hier finden Sie die Schaltfläche zum Übernehmen eines Google MyBusiness-Eintrages

Google legt auch MyBusiness-Einträge an, ohne das Zutun der jeweiligen Firma. Dies passiert, wenn Google beispielsweise Firmendaten in den Gelben Seiten findet, zu der es noch keinen Firmeneintrag bei Google gibt. In gewisser Weise ist Google-MyBusiness nämlich nichts anderes als die virtuellen Gelben Seiten. 

Im Idealfall haben Sie selbst den MyBusiness-Eintrag erstellt und pflegen diesen. Dazu gehört auch, regelmäßig zu kontrollieren,
ob jemand einen Änderungsvorschlag für Ihren MyBusiness-Eintrag eingereicht hat. In diesem Fall schickt Ihnen Google eine E-Mail und bittet Sie, auf diesen Änderungsvorschlag zu reagieren. Reagieren Sie nicht, wird der Vorschlag nach einigen Wochen von Google übernommen.

Hier geht es zu der Anmeldeseite von Google MyBusiness.

Es gibt keine Google-Beauftragten, die Ihr My-Business-Profil optimieren!

Eine weitere Betrugsmasche in Bezug auf Google MyBusiness sind Dienstleister, die Unternehmen ohne selbstverwalteten MyBusiness-Eintrag kontaktieren und sich als Google-Mitarbeiter ausgeben. Ist der Fuß solch windiger "Berater" erst mal in der Tür, wird versucht, den Betroffenen eine teure Optimierung des MyBusiness-Profils aufzuschwatzen. Die Verwaltung eines MyBusiness-Profils ist jedoch kinderleicht und MyBusiness-Optimierer im Auftrag von Google existieren nicht. Hier handelt es sich ganz klar um eine Betrugsabsicht, mit der falsche Tatsachen behauptet werden.

Fazit

Google ist, nicht zuletzt aus Eigeninteresse, auf dem besten Weg, die Qualität der eigenen Datenbasis stetig zu verbessern.
Doch die kaum handhabbare Größe der Datenberge und die Verifizierung der Daten auf Echtheit, ist selbst für Google kaum noch mit ökonomisch vertretbaren Mitteln zu handhaben. Deshalb wird es wohl immer zu einer gewissen Fehlerquote oder Betrugsversuchen kommen.

Falls noch nicht geschehen, legen Sie für Ihr Unternehmen einen Google MyBusiness-Eintrag an oder reklamieren Sie den bereits bestehenden Eintrag.

<<< zum Artikel: Betrugsmaschen bei Google MyBusiness (Teil 1)
<<< zum Artikel: Betrugsmaschen bei Google MyBusiness (Teil 2)
<<< zum Artikel: Update: Betrugsmaschen bei Google MyBusiness - Google reagiert

Felix Kopinski
Felix Kopinski
Online-Marketing-Manager

Über den Author:
Felix Kopinski 


Felix Kopinski wurde 1976 in Bonn am Rhein geboren und ist nach dem Grundstudium der VWL in Berlin nach Köln gewechselt, wo er sein Studium als Werbewirt abschloss. 

Seit 2015 verantwortet Felix als Online Marketing Manager die Bereiche Google Ads, SEO-Beratung, Text & Konzeption sowie den Ausbau des Bereiches E-Commerce in der Online-Agentur Papoomedia. 

Felix ist unter der E-Mail-Adresse felix.kopinski@papoo.de oder auf Twitter unter @felixkopinski zu erreichen und steht für Anregungen und Rückfragen gerne zur Verfügung.

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