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Betrugsmaschen bei Google MyBusiness

 Felix Kopinski –  15. Jul. 2019 13:48
3 Gefahren für Ihr Unternehmen bei Google MyBusiness, die Sie kennen sollten! #kmu #tipps
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Die mobile Suche auf dem Smartphone vor Ort, beim Einkaufsbummel oder unterwegs, wird immer wichtiger. Weit mehr als die Hälfte der Besucher einer durchschnittlichen Webseite finden Ihren Weg auf die Webseite über eine Google-Anfrage, durchgeführt auf einem Smartphone oder Tablet. Zusätzlich wird verstärkt direkt über die Spracherkennung des Smartphone gesucht, statt bestimmte Keywörter in die Google-Suchzeile einzugeben.

Dabei unterscheiden sich die Suchmethoden drastisch, wenn es um den Sinn und Zweck einer Google-Suche geht. Zum Beispiel ist im B2B-Bereich nach wie vor die Google-Suche am herkömmlichen Büro-Computer vorherrschend, während die Suche nach einem Restaurant oder bestimmten Fachgeschäften zunehmend direkt vor Ort auf dem Smartphone durchgeführt wird. Besonders mobil-affine jüngere Zielgruppen produzieren hier viel Suchvolumen.

Ohne Präsenz keine Kundschaft

Um so wichtiger ist und wird die virtuelle Präsenz real existierender Angebote lokal vor Ort. Geschäfte und Lokale müssen im Internet existieren, damit die Menschen auch in der realen Welt das Angebot finden. Nichtzuletzt hilft der Mybusiness-Eintrag auch dabei, sich im Google-Ranking, jenseits der lokalen Suche, zu verbessern und eventuell geschaltete Anzeigen besser performen zu lassen.

Beispiel 1:

Wer in der Kölner Innenstadt einen Schlüsseldienst benötigt und danach auf Google sucht, erhält in der Regel Suchtreffer von Schlüsseldiensten aus der Kölner Innenstadt. Hat ein Schlüsseldienst dort keine Webseite oder ist nicht in Branchenverzeichnissen eingetragen, kann er auch nicht im Internet gefunden werden.


Genau hier kommen Betrüger ins Spiel, die zwar "vor Ort" online gefunden werden wollen, dort aber gar kein Geschäftslokal unterhalten.

Beispiel 2:

Ein Schlüsseldienst aus einem Kölner Vorort möchte seine Dienstleistung auch in der kölner Innenstadt anbieten und den
dortigen Schlüsseldiensten Marktanteile streitig machen. Dafür wird einfach eine zusätzliche, aber nicht real existierende Filiale des Schlüsseldienstes in der Kölner Innenstadt erfunden und bei Google registriert, um auch dort in der lokalen Suche angezeigt zu werden.

 

Wie funktioniert die Masche?

Der Betrüger meldet sich mit einer real existierenden Adresse als Geschäftsinhaber bei Google My Business an und durchläuft einen Verifizierunsgprozess, bei dem Google entweder eine Postkarte mit einem Pincode an den Inhaber schickt, oder einen Kontrollanruf auf der Telefonnummer durchführt, die auf der zum Geschäft gehörenden Webseite hinterlegt ist. Ist diese Hürde genommen, können beliebig viele Standorte als Filialen für das eingetragene Unternehmen angelegt werden. Dabei sind Webseite oder Unterseiten einer Webseite immer hilfreich, auf denen die Fake-Adresse der erfundenen Filiale eingetragen ist.

Eine weitere Eskalationsstufe besteht dann in der Vermittlung von Dienstleistungen an Subunternehmen oder Partner. Es bieten also gar nicht mehr Unternehmen ihre Dienstleistungen an Orten an, an denen das Unternehmen gar keine echte Filiale hat, sondern: Der eigentliche Auftrag wird gegen Provision an Unternehmen vermittelt, die tatsächlich vor Ort ansässig sind. Diese fühlen sich zu Recht erpresst.

Qui bono? Verdienen nicht nur die Betrüger am Betrug?

Google hat das Problem nicht erst auf dem Schirm, seit sich Schlüsseldienste in den USA zusammengetan hatten, um gegen Google, bzw. gegen die Fakeprofile von Fake-Schlüsseldiensten zu klagen.

Der Vorwurf gegen Google lautet: Google verdient an den Fake-Einträgen, da diese die echten Dienstleister dazu zwingt, bei Google Werbung zu schalten, um überhaupt noch gefunden zu werden.

Da Google jedoch an Daten interessiert ist, die zutreffend sind und den Usern zur Verfügung gestellt werden sollen, kann die Unterstellung, Google würde von den Einträgen der Fake-Filialen profitieren, nur kurz- bis mittelfristig zutreffend sein. Tatsächlich hat sich Google bereits 2017 mit der Universität von San Diego zusammengeschlossen, um mehr über das Problem und die Betrüger zu erfahren.

"In this paper, we investigate a new form of blackhat search engine optimization that targets local listing services like Google Maps. Miscreants register abusive business listings in an attempt to siphon search traffic away from legitimate businesses and funnel it to deceptive service industries---such as unaccredited locksmiths---or to traffic-referral scams, often for the restaurant and hotel industry."

https://ai.google/research/pubs/pub45976

 

Google selber berichtet in einer Studie von seinen Versuchen, den Betrug mit Businesseinträgen auf Google-Maps einzudämmen. Seit 2015, seitdem Google an dem Problem arbeitet, sollen die Betrugsversuche um 70% zurückgegangen sein. Angeblich kann Google heute etwa 85% aller Betrugsversuche schon erkennen und aufdecken, ehe es zu einer Veröffentlichung bzw. einem Betrug kommt.

Es kommen mehere Verfahren zum Einsatz:

  • bestimmte Adressen werden für Firmenanmeldungen gesperrt oder limitiert
  • ein gesonderter Registrierungsprozess wird eingeleitet, wenn Filialen weit entfernt vom eigentlichen Stammsitz des Unternehmens angemeldet werden
  • Google sucht nach inkonsistenten Daten, also Daten, die den angegebenen Registrierungsdaten wiedersprechen
  • verwirrende oder unvollständige Adressangaben, mit denen Betrüger in der Vergangenheit versuchten Google zu überlisten, werden ignoriert

Gefakte Firmeneinträge sind nur die Spitze des Eisberges

Eine ähnliche Masche, wenn auch mit weniger krimineller Energie verbunden, ist das sogenannte Keyword-Stuffing bei Google Mybusiness-Einträgen. Hier werden die Firmen-Titel der Unternehmen, die sich bei Google MyBusiness registrieren mit Keywörtern angefüllt, mit denen man gerne bei einer Googlesuche gefunden werden will.

Beispiel aus der amerikanischen Stadt Minneapolis:

Ein Unternehmen für die Reparatur von Elektro-Artikeln mit dem Namen "Gophermods", hat sich mit dem Firmennamen "Gophermods Minneapolis iPhone & iPad Repair" registriert. Der Betreiber von "Gophermods" möchte von iPhone-Besitzern aus Minneapolis gefunden werden, die ihr iPhone dort reparieren lassen wollen.

Wer jedoch die Webseite von "Gophermods" besucht, wird feststellen, dass die Firma lediglich "Gophermods" heist und alle möglichen Elektro-Artikel repariert, nicht nur iPhones. Und dies tut sie nicht nur in Minneapolis, sondern auch in den Städten Plymouth und Woodbury.

Local SEO Hack: Google My Business Listings Erradication
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Es geht noch schmutziger.

Marketing-Kollege Jeremy aus den USA, der uns das Gophermods-Beispiel aus Minneapolis präsentiert, geht sogar einen Schritt weiter und schlägt bei Google eine Änderung der hinterlegten Daten des Unternehmens vor. So soll aus "Gophermods Minneapolis iPhone & iPad Repair" nur noch "Gophermods" werden, damit andere iPhone-Reparatur-Anbieter wieder mehr Chancen  haben, bei Google gefunden zu werden.

Die Änderung von bei Google hinterlegten Daten durch Nutzer ist möglich und soll die Qualität der Google-Daten durch die ehrenamtliche Mitarbeit der Nutzer verbessern. Diese Funktion kann allerdings auch missbraucht werden und zeigt mitunter amüsante Stilblüten. Denn wenn genügend User einen Änderungsvorschlag für gut befinden, übernimmt Google diesen Vorschlag.

So wurde zum Beispiel 2016 aus der Justizvollzugsanstalt Moabit ein Escape-Room-Veranstalter, wo Touristen Rätsel lösen müssen, um aus einem fiktiven Gefängnis auszubrechen. In einem anderen Fall wurde aus dem Homöopathie-Unternehmen Hevert, welches als "Wirkstoffträger" Zuckerkügelchen, sogenannte Globuli, verwendet, ein "Süßwarengroßhändler". Einige Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter hatten sich einen Spaß daraus gemacht, die Google-Maps-Einträge der Hevert-Niederlassungen in Rheinland-Pfalz und Berlin zu manipulieren.

MyBusiness-Manipulation mit Folgen

Während die Umbenennung einer Justizvollzugsanstalt in eine Freizeiteinrichtung noch unter die Kategorie lustiger Streich fällt, können derartige Manipulationen wesentlich gravierendere Folgen für Geschäftsinhaber haben.  Im US-Bundesstaat Virginia kostete eine Restaurantbetreiberin  aber die ungewünschte Änderung von Öffnungszeiten fast ihre Existenz.

"Jemand habe Anfang 2012 den Eintrag zu seinem bis dahin beliebten Restaurant auf Google Maps verändert, sagte Bertagna dem Magazin Wired, und dort die Information hinterlegt, das Serbian Crown sei von Samstag bis Montag grundsätzlich geschlossen. An den Wochenenden sei daraufhin die Zahl seiner Gäste so stark zurückgegangen, dass Bertagna mehrere Angestellte entlassen musste. Erst als jemand anrief und fragte, warum sein Restaurant ausgerechnet an den Wochenenden geschlossen sei, bemerkte er den falschen Eintrag in Google Maps."

https://www.zeit.de/digital/internet/2014-07/google-maps-hacken-betrug-konkurrenz

 

Wie kriminell Mybusiness-Manipulationen wirklich werden können, demonstrierte bereits 2014 der Netzwerktechniker Bryan Seely, als er für Secret Service und FBI gefälschte MyBusiness-Einträge mitsamt gefälschten Telefonnummern anlegte und künftig Anrufe an das FBI weiterleiten bzw. mitschneiden konnte.

"Er hatte gefälschte Einträge für Niederlassungen des Secret Service und des FBI angelegt, inklusive einer falschen Telefonnummer, die zwar jeden Anruf an die echten Dienststellen weiterleitete – aber mit Seely als Zwischenstation, der die Gespräche mitschneiden konnte. "

https://www.zeit.de/digital/internet/2014-07/google-maps-hacken-betrug-konkurrenz

Wer sind die Opfer?

Größtenteils sind Auftragsunternehmen die Geschädigten, also Dienstleister, die traditionell kurzfristig vor Ort gesucht und benötigt werden. Zum Beispiel der bereits erwähnte Schlüsseldienst, Klempner, Glaser, Reinigungsdienste oder alle möglichen Formen von Reparatur-Diensten. Die Dienstleistungskategorie macht ca. 40% der Opfer von gefakten Unternehmensstandorten aus.

Etwa 10% der Opfer sollen, Google zufolge, sogar regelrecht erpresst werden. Hier haben Betrüger es geschafft, die MyBusiness-Einträge von real existierenden Unternehmen zu kapern und verlangen eine "Provision für vermittelte Kunden", die das Hotel oder Restaurant über den gekaperten MyBusiness kontaktieren. In den meisten Fällen setzt der Betrüger seinen Opfern den Floh ins Ohr, der Business-Eintrag könne eventuell gelöscht werden, wenn man nichts unternehme.

Wie schützt man sich?

Werden Sie Herr Ihrer Daten! Wenn nicht schon längst geschehen, reklamieren Sie bestehende Firmeneinträge zu Ihrem Unternehmen für sich. Dies ist problemlos möglich bei Google, direkt unter dem jeweiligen Eintrag, über die Schaltfläche "Inhaber dieses Unternehmens?". Anschließend muss noch der Google-Zertifizierungs-Prozess durchlaufen werden, damit Google, anhand einer an Ihre Adresse geschickten Postkarte mit Pin-Code, Ihre Inhaberschaft unter der korrekten Adresse
überprüfen kann.

Account übrenehmen
Hier finden Sie die Schaltfläche zum Übernehmen eines Google MyBusiness-Eintrages

Google legt auch MyBusiness-Einträge an, ohne das Zutun der jeweiligen Firma. Dies passiert, wenn Google beispielsweise Firmendaten in den Gelben Seiten findet, zu der es noch keinen Firmeneintrag bei Google gibt. In gewisser Weise ist Google-MyBusiness nämlich nichts anderes als die virtuellen Gelben Seiten. 

Im Idealfall haben Sie selbst den MyBusiness-Eintrag erstellt und pflegen diesen. Dazu gehört auch, regelmäßig zu kontrollieren,
ob jemand einen Änderungsvorschlag für Ihren MyBusiness-Eintrag eingereicht hat. In diesem Fall schickt Ihnen Google eine E-Mail und bittet Sie, auf diesen Änderungsvorschlag zu reagieren. Reagieren Sie nicht, wird der Vorschlag nach einigen Wochen von Google übernommen.

Hier geht es zu der Anmeldeseite von Google MyBusiness.

Es gibt keine Google-Beauftragten, die Ihr My-Business-Profil optimieren!

Eine weitere Betrugsmasche in Bezug auf Google MyBusiness sind Dienstleister, die Unternehmen ohne selbstverwalteten MyBusiness-Eintrag kontaktieren und sich als Google-Mitarbeiter ausgeben. Ist der Fuß solch windiger "Berater" erst mal in der Tür, wird versucht, den Betroffenen eine teure Optimierung des MyBusiness-Profils aufzuschwatzen. Die Verwaltung eines MyBusiness-Profils ist jedoch kinderleicht und MyBusiness-Optimierer im Auftrag von Google existieren nicht. Hier handelt es sich ganz klar um eine Betrugsabsicht, mit der falsche Tatsachen behauptet werden.

Fazit

Google ist, nicht zuletzt aus Eigeninteresse, auf dem besten Weg, die Qualität der eigenen Datenbasis stetig zu verbessern.
Doch die kaum handhabbare Größe der Datenberge und die Verifizierung der Daten auf Echtheit, ist selbst für Google kaum noch mit ökonomisch vertretbaren Mitteln zu handhaben. Deshalb wird es wohl immer zu einer gewissen Fehlerquote oder Betrugsversuchen kommen.

Falls noch nicht geschehen, legen Sie für Ihr Unternehmen einen Google MyBusiness-Eintrag an oder reklamieren Sie den bereits bestehenden Eintrag.

 

Felix Kopinski
Felix Kopinski
Online-Marketing-Manager

Über den Author:
Felix Kopinski 


Felix Kopinski wurde 1976 in Bonn am Rhein geboren und ist nach dem Grundstudium der VWL in Berlin nach Köln gewechselt, wo er sein Studium als Werbewirt abschloss. 

Seit 2015 verantwortet Felix als Online Marketing Manager die Bereiche Google Ads, SEO-Beratung, Text & Konzeption sowie den Ausbau des Bereiches E-Commerce in der Online-Agentur Papoomedia. 

Felix ist unter der E-Mail-Adresse felix.kopinski@papoo.de oder auf Twitter unter @felixkopinski zu erreichen und steht für Anregungen und Rückfragen gerne zur Verfügung.

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