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Betrugsmaschen bei Google MyBusiness (Teil 1)

 Felix Kopinski –  22. Aug. 2019 11:27

Die mobile Suche auf dem Smartphone vor Ort, beim Einkaufsbummel oder unterwegs, wird immer wichtiger. Weit mehr als die Hälfte der Besucher einer durchschnittlichen Webseite finden Ihren Weg auf die Webseite über eine Google-Anfrage, durchgeführt auf einem Smartphone oder Tablet. Zusätzlich wird verstärkt direkt über die Spracherkennung des Smartphone gesucht, statt bestimmte Keywörter in die Google-Suchzeile einzugeben.

Dabei unterscheiden sich die Suchmethoden drastisch, wenn es um den Sinn und Zweck einer Google-Suche geht. Zum Beispiel ist im B2B-Bereich nach wie vor die Google-Suche am herkömmlichen Büro-Computer vorherrschend, während die Suche nach einem Restaurant oder bestimmten Fachgeschäften zunehmend direkt vor Ort auf dem Smartphone durchgeführt wird. Besonders mobil-affine jüngere Zielgruppen produzieren hier viel Suchvolumen.

Ohne Präsenz keine Kundschaft

Um so wichtiger ist und wird die virtuelle Präsenz real existierender Angebote lokal vor Ort. Geschäfte und Lokale müssen im Internet existieren, damit die Menschen auch in der realen Welt das Angebot finden. Nichtzuletzt hilft der Mybusiness-Eintrag auch dabei, sich im Google-Ranking, jenseits der lokalen Suche, zu verbessern und eventuell geschaltete Anzeigen besser performen zu lassen.

Beispiel 1:

Wer in der Kölner Innenstadt einen Schlüsseldienst benötigt und danach auf Google sucht, erhält in der Regel Suchtreffer von Schlüsseldiensten aus der Kölner Innenstadt. Hat ein Schlüsseldienst dort keine Webseite oder ist nicht in Branchenverzeichnissen eingetragen, kann er auch nicht im Internet gefunden werden.


Genau hier kommen Betrüger ins Spiel, die zwar "vor Ort" online gefunden werden wollen, dort aber gar kein Geschäftslokal unterhalten.

Beispiel 2:

Ein Schlüsseldienst aus einem Kölner Vorort möchte seine Dienstleistung auch in der kölner Innenstadt anbieten und den
dortigen Schlüsseldiensten Marktanteile streitig machen. Dafür wird einfach eine zusätzliche, aber nicht real existierende Filiale des Schlüsseldienstes in der Kölner Innenstadt erfunden und bei Google registriert, um auch dort in der lokalen Suche angezeigt zu werden.

 

Wie funktioniert die Masche?

Der Betrüger meldet sich mit einer real existierenden Adresse als Geschäftsinhaber bei Google My Business an und durchläuft einen Verifizierunsgprozess, bei dem Google entweder eine Postkarte mit einem Pincode an den Inhaber schickt, oder einen Kontrollanruf auf der Telefonnummer durchführt, die auf der zum Geschäft gehörenden Webseite hinterlegt ist. Ist diese Hürde genommen, können beliebig viele Standorte als Filialen für das eingetragene Unternehmen angelegt werden. Dabei sind Webseite oder Unterseiten einer Webseite immer hilfreich, auf denen die Fake-Adresse der erfundenen Filiale eingetragen ist.

Eine weitere Eskalationsstufe besteht dann in der Vermittlung von Dienstleistungen an Subunternehmen oder Partner. Es bieten also gar nicht mehr Unternehmen ihre Dienstleistungen an Orten an, an denen das Unternehmen gar keine echte Filiale hat, sondern: Der eigentliche Auftrag wird gegen Provision an Unternehmen vermittelt, die tatsächlich vor Ort ansässig sind. Diese fühlen sich zu Recht erpresst.

Qui bono? Verdienen nicht nur die Betrüger am Betrug?

Google hat das Problem nicht erst auf dem Schirm, seit sich Schlüsseldienste in den USA zusammengetan hatten, um gegen Google, bzw. gegen die Fakeprofile von Fake-Schlüsseldiensten zu klagen.

Der Vorwurf gegen Google lautet: Google verdient an den Fake-Einträgen, da diese die echten Dienstleister dazu zwingt, bei Google Werbung zu schalten, um überhaupt noch gefunden zu werden.

Da Google jedoch an Daten interessiert ist, die zutreffend sind und den Usern zur Verfügung gestellt werden sollen, kann die Unterstellung, Google würde von den Einträgen der Fake-Filialen profitieren, nur kurz- bis mittelfristig zutreffend sein. Tatsächlich hat sich Google bereits 2017 mit der Universität von San Diego zusammengeschlossen, um mehr über das Problem und die Betrüger zu erfahren.

"In this paper, we investigate a new form of blackhat search engine optimization that targets local listing services like Google Maps. Miscreants register abusive business listings in an attempt to siphon search traffic away from legitimate businesses and funnel it to deceptive service industries---such as unaccredited locksmiths---or to traffic-referral scams, often for the restaurant and hotel industry."

https://ai.google/research/pubs/pub45976

 

Google selber berichtet in einer Studie von seinen Versuchen, den Betrug mit Businesseinträgen auf Google-Maps einzudämmen. Seit 2015, seitdem Google an dem Problem arbeitet, sollen die Betrugsversuche um 70% zurückgegangen sein. Angeblich kann Google heute etwa 85% aller Betrugsversuche schon erkennen und aufdecken, ehe es zu einer Veröffentlichung bzw. einem Betrug kommt.

Es kommen mehere Verfahren zum Einsatz:

  • bestimmte Adressen werden für Firmenanmeldungen gesperrt oder limitiert
  • ein gesonderter Registrierungsprozess wird eingeleitet, wenn Filialen weit entfernt vom eigentlichen Stammsitz des Unternehmens angemeldet werden
  • Google sucht nach inkonsistenten Daten, also Daten, die den angegebenen Registrierungsdaten wiedersprechen
  • verwirrende oder unvollständige Adressangaben, mit denen Betrüger in der Vergangenheit versuchten Google zu überlisten, werden ignoriert

Gefakte Firmeneinträge sind nur die Spitze des Eisberges

Eine ähnliche Masche, wenn auch mit weniger krimineller Energie verbunden, ist das sogenannte Keyword-Stuffing bei Google Mybusiness-Einträgen. Hier werden die Firmen-Titel der Unternehmen, die sich bei Google MyBusiness registrieren mit Keywörtern angefüllt, mit denen man gerne bei einer Googlesuche gefunden werden will.

Beispiel aus der amerikanischen Stadt Minneapolis:

Ein Unternehmen für die Reparatur von Elektro-Artikeln mit dem Namen "Gophermods", hat sich mit dem Firmennamen "Gophermods Minneapolis iPhone & iPad Repair" registriert. Der Betreiber von "Gophermods" möchte von iPhone-Besitzern aus Minneapolis gefunden werden, die ihr iPhone dort reparieren lassen wollen.

Wer jedoch die Webseite von "Gophermods" besucht, wird feststellen, dass die Firma lediglich "Gophermods" heist und alle möglichen Elektro-Artikel repariert, nicht nur iPhones. Und dies tut sie nicht nur in Minneapolis, sondern auch in den Städten Plymouth und Woodbury.


<<< zum Artikel: Betrugsmaschen bei Google MyBusiness (Teil 1)
<<< zum Artikel: Betrugsmaschen bei Google MyBusiness (Teil 2)
<<< zum Artikel: Update: Betrugsmaschen bei Google MyBusiness - Google reagiert

Felix Kopinski
Felix Kopinski
Online-Marketing-Manager

Über den Author:
Felix Kopinski 


Felix Kopinski wurde 1976 in Bonn am Rhein geboren und ist nach dem Grundstudium der VWL in Berlin nach Köln gewechselt, wo er sein Studium als Werbewirt abschloss. 

Seit 2015 verantwortet Felix als Online Marketing Manager die Bereiche Google Ads, SEO-Beratung, Text & Konzeption sowie den Ausbau des Bereiches E-Commerce in der Online-Agentur Papoomedia. 

Felix ist unter der E-Mail-Adresse felix.kopinski@papoo.de oder auf Twitter unter @felixkopinski zu erreichen und steht für Anregungen und Rückfragen gerne zur Verfügung.

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